Protein-Feuchtigkeits-Balance: PEH in der Haarpflege
Aktualisiert
PEH steht für Proteine, Emollientien und Humektanten, drei Gruppen von Inhaltsstoffen, mit denen sich beschreiben lässt, was ein Haarprodukt tut. Proteine festigen das Haar vorübergehend, Emollientien glätten es und halten das Wasser im Haar, Humektanten binden Wasser. Im Deutschen ist öfter von „Protein oder Feuchtigkeit“ die Rede, also der Protein-Feuchtigkeits-Balance. PEH ist die Variante mit drei statt zwei Gruppen. Beides ist eine praktische Sprache, aber kein Rezept: Es gibt kein einzig richtiges Verhältnis und keinen Plan, der für alle passt.
Was ist PEH, und was heißt Protein-Feuchtigkeits-Balance?
Die Einteilung stammt nicht aus der Kosmetikchemie, sondern aus der Praxis von Menschen, die ihre Haare bewusst pflegen. Sie bringt sehr komplexe Rezepturen auf drei Wirkungen, die du leicht beobachten kannst: Spannkraft, Glätte und Feuchtigkeit.
In der englischsprachigen Community heißt die Zwei-Gruppen-Version „protein-moisture balance“. Auch auf Deutsch suchen die meisten nach „Haare Protein oder Feuchtigkeit“. „Feuchtigkeit“ meint dabei meist Humektanten und Emollientien zusammen, also alles, was das Haar weich und geschmeidig macht. PEH trennt diese beiden Gruppen noch einmal, weil sie sich unterschiedlich verhalten.
Wichtig ist auch, was die Einteilung nicht abdeckt. Shampoos enthalten Tenside, Conditioner Pflegestoffe (zum Beispiel kationische, die Aufladung verringern), und jedes Produkt hat Konservierungsmittel, pH-Regulatoren und Verdicker. Ein Produkt gehört fast immer mehreren PEH-Gruppen zugleich an. Wer „Proteinmaske“ sagt, meint ein Produkt, in dem Proteine deutlich vertreten sind, nicht eines, das nur aus Proteinen besteht.
Proteine für die Haare
Haar besteht größtenteils aus Keratin, also Eiweiß. Proteine in Pflegeprodukten sind meist hydrolysierte Proteine, in kleine Bruchstücke zerlegt, und Aminosäuren. Sie lagern sich an der Haaroberfläche an, die kleinsten können teilweise in geschädigte Stellen eindringen.
Was Proteine bringen: Das Haar wirkt kräftiger, elastischer und voluminöser, bei Locken kann das Muster besser definiert sein. Der Effekt ist vorübergehend und lässt mit den nächsten Wäschen nach.
Wann Vorsicht angebracht ist: Zu viel Protein auf einmal oder zu oft kann Haar steif, rau und brüchig machen. Woran du das erkennst, steht im Text zum Proteinüberschuss.
Wie oft Proteinkur? Eine feste Regel gibt es nicht. Viele starten mit einem Proteinprodukt einmal pro Woche oder alle zwei Wochen und passen die Häufigkeit an die Reaktion des Haars an. Blondiertes und geschädigtes Haar braucht oft mehr davon als Naturhaar.
Emollientien für die Haare
Emollientien sind Öle, Buttern, Silikone, Ester und Fettalkohole. Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol haben nichts mit austrocknendem Alkohol zu tun. Emollientien legen einen dünnen Film um das Haar, der Reibung verringert, die Schuppen glättet und den Wasserverlust bremst.
Was Emollientien bringen: leichteres Kämmen, weniger Frizz, Glanz und Schutz der Längen vor mechanischer Belastung.
Spenden Emollientien Feuchtigkeit? Sie liefern selbst kein Wasser, sondern helfen, es zu halten. Deshalb wirken sie oft am besten nach Humektanten oder auf feuchtem Haar.
Beschweren Emollientien? Sie können es, vor allem bei feinem und niedrig porösem Haar, wenn die Menge groß oder das Produkt sehr reichhaltig ist. Das ist eine Frage von Menge und Rezeptur, nicht von „verboten“. Mehr zu Ölen findest du im Ratgeber Haare ölen.
Humektanten für die Haare
Humektanten binden Wasser: Glycerin, Panthenol, Aloe, Propanediol, Harnstoff, Honig, Betain und Hyaluronsäure (als Sodium Hyaluronate).
Was Humektanten bringen: Feuchtigkeit, Weichheit und Elastizität.
Machen Humektanten Frizz? Das können sie. Humektanten tauschen Wasser mit der Umgebung aus, ihre Wirkung hängt deshalb von der Luftfeuchtigkeit ab. Bei sehr trockener Luft (Winter, geheizte Räume) berichten manche, dass das Haar nach Glycerin trockener wirkt oder frizzt, bei sehr feuchter Luft, dass es Wasser aufnimmt und die Glätte verliert. Konzentration und Emollientien im selben Produkt, die den Effekt abmildern, spielen eine große Rolle. Du musst Humektanten also nicht grundsätzlich meiden. Beobachte, wie dein Haar zu verschiedenen Jahreszeiten reagiert.
PEH-Tabelle: Beispiele für Inhaltsstoffe auf dem Etikett
So stehen häufige Inhaltsstoffe in der INCI-Liste, also genau so, wie du sie auf der Verpackung findest. Die Einteilung entspricht der im Flomsy-Scanner.
| Gruppe | Beispiele in der INCI-Liste | Typische Wirkung |
|---|---|---|
| Proteine | Hydrolyzed Keratin, Hydrolyzed Wheat Protein, Hydrolyzed Silk, Silk Amino Acids, Hydrolyzed Collagen, Hydrolyzed Rice Protein, Hydrolyzed Oat Protein, Amino Acids | Spannkraft, Volumen, Festigung |
| Emollientien: Öle und Buttern | Argania Spinosa Kernel Oil, Cocos Nucifera Oil, Butyrospermum Parkii Butter | Glätte, Schutz, Glanz |
| Emollientien: Silikone | Dimethicone, Amodimethicone | Glätte, weniger Reibung, Hitzeschutz |
| Emollientien: Ester und Fettalkohole | Caprylic/Capric Triglyceride, Squalane, Isopropyl Myristate, Cetearyl Alcohol, Cetyl Alcohol | Gleitfähigkeit, Weichheit, Konsistenz |
| Emollientien: okklusiv | Paraffinum Liquidum, Lanolin | Starker Feuchtigkeitsschutz |
| Humektanten | Glycerin, Panthenol, Aloe Barbadensis Leaf Juice, Propanediol, Sodium PCA, Urea, Honey, Betaine, Sorbitol, Sodium Hyaluronate | Feuchtigkeit, Weichheit |
Manche verbreiteten Inhaltsstoffe gehören zu keiner der drei Gruppen, zum Beispiel Behentrimonium Chloride (Pflegestoff) sowie Polyquaternium-10 und Guar Hydroxypropyltrimonium Chloride (filmbildende Stoffe). Sie wirken auf das Haar, sind aber weder Proteine noch Emollientien noch Humektanten. Wie du die ganze Liste liest und was die Reihenfolge verrät, erklärt der Ratgeber INCI-Liste lesen.
Protein oder Feuchtigkeit: was braucht mein Haar?
Einen verlässlichen Test dafür gibt es nicht. Verbreitet ist der Dehnungstest an einem nassen Haar: Dehnt es sich und geht zurück, ist alles in Ordnung. Reißt es fast ohne Dehnung, soll es zu viel Protein haben, dehnt es sich wie Gummi und geht nicht zurück, zu wenig. Das gibt einen Hinweis, aber das Ergebnis hängt vom Zustand des Haars und davon ab, wie fest du ziehst.
Aussagekräftiger ist die Beobachtung über mehrere Wäschen:
- Steif, rau, brüchig, matt nach neuen Proteinprodukten: Das kann auf zu viel Protein hindeuten.
- Schlaff, schwer, ohne Volumen: Das kann zu viele Emollientien bedeuten.
- Gummiartig, überdehnbar, Frizz trotz Feuchtigkeit: möglicherweise zu viele Humektanten oder zu wenig Emollientien und Proteine, die das Haar festigen.
Dieselben Anzeichen haben auch andere Ursachen: hartes Wasser, Rückstände, Hitze, Wetter. Die PEH-Bilanz zeigt eine Richtung, aber keine Diagnose.
PEH-Balance in der Praxis
Balance heißt nicht, dass du jede Woche jede Gruppe zu gleichen Teilen verwenden musst. Es geht darum, dass keine Gruppe so lange dominiert, bis das Haar Signale gibt.
- Fang mit dem an, was du hast. Prüfe, zu welchen Gruppen deine aktuellen Produkte gehören. Oft sind alle Spülungen emollientienlastig, oder Proteine stecken in jedem Produkt.
- Wechsle ab, statt alles auf einmal zu mischen. Verbreitet ist es, Produkte mit unterschiedlichem Schwerpunkt über die Wäschen zu verteilen.
- Achte auf Anzeichen, nicht auf den Kalender.
- Ändere jeweils nur eine Sache und beurteile sie über mehrere Wäschen.
In welcher Reihenfolge: Proteine, Humektanten, Emollientien?
Studien, die eine einzig richtige Reihenfolge belegen, gibt es nicht. In der Praxis bewährt sich eine einfache Logik: zuerst leichtere Produkte auf Wasserbasis (etwa eine Spülung mit Humektanten oder Proteinen), zum Schluss schwerere Emollientien wie Öl oder Serum, die die Feuchtigkeit „versiegeln“ und die Oberfläche glätten.
PEH bei hoch porösem und lockigem Haar
Hoch poröses Haar verliert Wasser schnell, deshalb spielen Emollientien dort meist eine größere Rolle, und Proteine können Schäden vorübergehend ausgleichen. Lockiges Haar reagiert oft gut auf Humektanten, die das Lockenmuster unterstützen, zeigt aber auch schneller zu viel Protein. Das ist eine Richtung, keine Regel. Wie du deine Porosität einschätzt und was daraus folgt, steht im Text zur Haarporosität.
Häufige Fragen zu PEH
Ist PEH wissenschaftlich belegt?
Nein. Es ist eine Vereinfachung aus der Haarpflege-Community. Die Inhaltsstoffe wirken so, wie beschrieben, aber die Einteilung in drei Gruppen und der Begriff „Balance“ sind ein Beobachtungswerkzeug und keine durch Studien bestätigte Regel.
Können Proteine, Emollientien und Humektanten in einem Produkt stecken?
Ja. Die meisten Spülungen und Kuren enthalten Stoffe aus zwei oder drei Gruppen. Eine „Emollientienkur“ heißt nur, dass diese Gruppe überwiegt.
Woher weiß ich, wie viel Protein in einem Produkt steckt?
Genau lässt sich das nicht sagen. Die INCI-Liste nennt die Reihenfolge, aber keine Konzentrationen, und Stoffe unter 1 Prozent dürfen in beliebiger Reihenfolge stehen. Die Position gibt nur eine grobe Orientierung.
Zählen Hausmittel wie Gelatine, Ei oder Leinsamen auch zu PEH?
Meist ja: Gelatine und Ei gelten als Proteinquellen, Leinsamen als Humektant. Sie wirken ähnlich, doch Konzentration und gründliches Auswaschen lassen sich schwerer steuern.
Wie Flomsy PEH liest
Der INCI-Scanner in Flomsy erkennt Inhaltsstoffe, die Proteinen, Emollientien und Humektanten zugeordnet sind, und gewichtet jene stärker, die weiter vorn in der Liste stehen. Er zeigt auch, wie viele Inhaltsstoffe er erkannt hat, und zeichnet kein Diagramm, wenn es weniger als die Hälfte sind. Das ist eine Schätzung und keine Messung, weil Hersteller keine Konzentrationen angeben.
Die Wochenbilanz zeigt, welche PEH-Gruppen in den Produkten steckten, die du in der Woche verwendet hast. Verstehe sie als Tagebuch zum Vergleich mit der Reaktion deines Haars, nicht als Zielverhältnis.
