Haare ölen: welches Öl, wie viel und wie lange
Aktualisiert
Beim Haare ölen trägst du Öl auf die Längen auf, manchmal auch auf die Kopfhaut, meist vor dem Waschen oder in kleiner Menge danach. Öl verringert Reibung, erleichtert das Kämmen, glättet und schützt das Haar beim Waschen. Es lässt Haare nicht schneller wachsen und repariert sie nicht dauerhaft. Die wichtigsten Entscheidungen sind welches Öl, wie viel, wie lange und wie du es wieder auswäschst. Bei jeder davon bringt dir die Beobachtung deines eigenen Haars mehr als eine starre Tabelle.
Bringt Haare ölen etwas?
Ja, aber nicht das, was manche Ratgeber versprechen. Am besten untersucht ist Kokosöl: Studien zeigen, dass es als eines von wenigen Ölen in die Haarfaser eindringen kann und, vor dem Waschen angewendet, den Proteinverlust beim Waschen verringert. Die meisten anderen Öle wirken vor allem an der Oberfläche: Sie glätten die Schuppen, verringern Reibung und bremsen den Wasserverlust. Das ist ebenfalls nützlich, besonders bei langem, blondiertem und frizzigem Haar.
Was Ölen nicht kann: das Haarwachstum beschleunigen, geschädigte Spitzen „reparieren“ oder Hitzeschutz ersetzen.
Haare ölen: Schritt für Schritt
- Wähle eine Methode: auf trockenem oder nassem Haar oder auf einer Basis (siehe unten).
- Nimm wenig Öl. Für den Anfang genügen ein paar Tropfen für die Spitzen oder etwa ein Teelöffel für schulterlanges Haar. Das Haar soll leicht bedeckt sein und nicht triefen.
- Verteile das Öl ab der Mitte der Längen nach unten, denn dort ist das Haar am ältesten und am stärksten geschädigt. Die Kopfhaut lässt du aus, außer du ölst sie bewusst.
- Lass es 30 bis 60 Minuten einwirken. Länger ist meist nicht besser.
- Wasche das Öl aus, am besten zuerst mit Spülung oder Shampoo auf dem trockenen, geölten Haar (Details unten).
- Beurteile den Effekt nach mehreren Anwendungen, nicht nach einer.
Haare ölen auf trockenem Haar
Das Öl kommt auf trockenes Haar. Das ist die einfachste Methode, sie umhüllt das Haar am stärksten und kann den deutlichsten Glätteeffekt haben. Dafür ist es hier am leichtesten, zu viel zu nehmen, und das Auswaschen ist schwerer.
Haare ölen auf nassem Haar
Das Öl kommt auf feuchtes Haar, etwa mit der Sprühflasche befeuchtet. Wasser hilft, eine kleinere Menge zu verteilen, und das Öl lässt sich leichter auswaschen. Ein guter Einstieg, besonders bei feinem Haar, das schnell schwer wird.
Haare ölen mit Basis
Zuerst trägst du etwas Wasserbasiertes auf, etwa Spülung, Aloe, Hydrolat oder einen Kräutersud, darüber das Öl. Die Basis erleichtert Verteilen und Auswaschen, und Humektanten darin geben zusätzlich Feuchtigkeit. Beliebt bei trockenem und hoch porösem Haar.
Haare über Nacht ölen
Möglich, aber nicht nötig. Nach einer Stunde hat das Öl seine Wirkung weitgehend entfaltet, über Nacht verschmutzt es das Kissen und lässt sich schwerer auswaschen. Wenn du es trotzdem magst: weniger Öl nehmen und das Haar schützen.
Haare ölen vor oder nach dem Waschen?
Ölen vor dem Waschen schützt die Längen beim Kontakt mit Wasser und Shampoo. Eine kleine Menge Öl nach dem Waschen, auf feuchtes oder trockenes Haar, glättet die Spitzen und verringert Reibung. Das sind zwei verschiedene Ziele, und beides kann sinnvoll sein. Ein Haaröl als Finish brauchst du nur, wenn dir die Spitzen danach noch zu rau sind.
Welches Öl für die Haare?
In Foren findest du eine verbreitete Faustregel: niedrige Porosität mit gesättigten Ölen (Kokosöl, Babassuöl), mittlere mit einfach ungesättigten (Olivenöl, Mandelöl, Avocadoöl), hohe mit mehrfach ungesättigten (Leinöl, Traubenkernöl, Schwarzkümmelöl). Als Ausgangspunkt kann das taugen, aber belegt ist es nicht, und viele Menschen mit hoch porösem Haar kommen mit Kokosöl hervorragend zurecht. Lies die Tabelle als Liste von Kandidaten zum Ausprobieren, nicht als Zuordnung.
| Öl | Name in der INCI-Liste | Charakter | Zum Einstieg |
|---|---|---|---|
| Kokosöl | Cocos Nucifera Oil | Gesättigt, dringt ins Haar ein | Ölen vor der Wäsche, kann bei manchen steif machen |
| Babassuöl | Orbignya Oleifera Seed Oil | Gesättigt, leicht | Feines und niedrig poröses Haar |
| Olivenöl | Olea Europaea Fruit Oil | Einfach ungesättigt | Mittlere Porosität, trockene Spitzen |
| Mandelöl | Prunus Amygdalus Dulcis Oil | Einfach ungesättigt, leicht | Universell zum Start |
| Avocadoöl | Persea Gratissima Oil | Einfach ungesättigt, reichhaltig | Trockenes, kräftiges Haar |
| Arganöl | Argania Spinosa Kernel Oil | Gemischt | Spitzen nach der Wäsche glätten |
| Leinöl | Linum Usitatissimum Seed Oil | Mehrfach ungesättigt | Hoch poröses Haar, mit Basis |
| Traubenkernöl | Vitis Vinifera Seed Oil | Mehrfach ungesättigt, leicht | Hoch poröses, feines Haar |
| Rizinusöl | Ricinus Communis Seed Oil | Sehr zähflüssig | Eher als Zusatz zu einem anderen Öl |
| Jojobaöl | Simmondsia Chinensis Seed Oil | Flüssiges Wachs, leicht | Haar, das schnell fettet |
Ein paar Hinweise zu den häufigsten Situationen:
- Trockenes, blondiertes oder hoch poröses Haar: verträgt meist mehr Öl und Ölen mit Basis. Probiere sowohl Kokosöl vor der Wäsche als auch leichtere mehrfach ungesättigte Öle.
- Feines oder niedrig poröses Haar: kleinere Menge, Ölen auf nassem Haar, leichte Öle (Babassu, Mandel, Jojoba) und gründlich auswaschen.
- Lockiges Haar: braucht oft mehr Emollientien. Ein wenig Öl nach der Wäsche kann Frizz mindern, zu viel nimmt dem Lockenmuster den Schwung.
- Helles Haar: Manche Öle haben Eigenfarbe und können sehr helles Haar leicht tönen. Wähle farblose oder raffinierte Öle.
- Raffiniert oder kaltgepresst? Kaltgepresstes enthält mehr Pflanzenstoffe und riecht stärker, raffiniertes ist neutraler, stabiler und oft einfacher zu handhaben. Für das Haar ist der Unterschied meist klein.
Öl ist ein Emollient. Wie du es mit Proteinen und Humektanten kombinierst, erklärt der Ratgeber zur Protein-Feuchtigkeits-Balance, wie du deine Porosität einschätzt, der Text zur Haarporosität.
Öl aus den Haaren auswaschen
Wasser allein bekommt Öl nicht aus dem Haar, denn die beiden mischen sich nicht. Zwei Methoden funktionieren meist:
- Mit Spülung emulgieren: Trage Spülung (Conditioner) auf das geölte, noch trockene oder leicht feuchte Haar auf, massiere sie ein, lass sie ein paar Minuten wirken und spüle aus. Die Spülung enthält Emulgatoren, die das Öl binden. Danach wäschst du die Kopfhaut mit Shampoo.
- Shampoo auf trockenem Haar: Du trägst das Shampoo auf die geölten Längen auf, bevor du sie nass machst, und spülst erst dann aus. Das geht schneller, ist aber für die Längen weniger schonend.
Öl aus den Haaren waschen ohne Spülung? Zweimal mit mildem Shampoo waschen. Fühlt sich das Haar danach noch fettig an, nimm beim nächsten Mal weniger Öl. Das ist die häufigste Ursache.
Kopfhaut ölen: sinnvoll?
Kopfhaut ölen ist beliebt, aber schlechter begründet als das Ölen der Längen. Für Rizinusöl gibt es keine Belege, dass es das Haarwachstum fördert; für Rosmarinöl gibt es nur sehr wenige, kleine Studien, die keine Empfehlung tragen. Bei manchen Menschen lindert es ein Trockenheitsgefühl auf der Kopfhaut.
Nicht jede Kopfhaut verträgt es. Bei Schuppen, seborrhoischer Dermatitis, Juckreiz oder leicht gereizter Haut solltest du die Kopfhaut nicht routinemäßig ölen. Manche Öle können Hefepilze begünstigen, die mit Schuppen zusammenhängen. Öl ersetzt keine Behandlung. Halten die Beschwerden an, lass sie dermatologisch abklären. Gleiches gilt für verstärkten Haarausfall.
Häufige Fragen zum Haare ölen
Wie oft sollte man die Haare ölen?
Für die meisten genügt einmal pro Woche oder vor jeder zweiten Wäsche. Sehr trockenes, blondiertes Haar mag Öl vielleicht vor jeder Wäsche, feines Haar eher seltener.
Ist Haare ölen sinnvoll, wenn ich Spülung benutze?
Ja, das sind zwei verschiedene Anwendungen. Öl vor der Wäsche schützt das Haar beim Waschen, die Spülung danach glättet und erleichtert das Kämmen. Reicht dir die Spülung völlig, ist Ölen kein Muss.
Kann man niedrig poröses Haar ölen?
Ja, in kleinerer Menge, mit leichteren Ölen und am besten auf nassem Haar mit gründlichem Auswaschen.
Hilft Haare ölen gegen Haarausfall oder für mehr Wachstum?
Dafür gibt es keine guten Belege. Hast du verstärkten Haarausfall, Lichtungen oder kahle Stellen, lass die Ursache dermatologisch oder trichologisch klären, statt es mit Öl zu versuchen.
Warum ist mein Haar nach dem Ölen steif oder fettig?
Steifheit ist eine häufige Reaktion auf Kokosöl, dann kann ein anderes Öl besser passen. Fettiges Haar nach der Wäsche liegt meist an zu viel Öl oder zu sanftem Auswaschen.
Haaröl auf nasses oder trockenes Haar?
Beides geht. Auf nassem Haar reicht weniger Produkt, auf trockenem wirkt es stärker an der Oberfläche. Wähle das, was dein Haar weniger beschwert.
Wie Flomsy dabei hilft
In Flomsy kannst du das Ölen auf bestimmte Wochentage legen, zum Beispiel vor jeder zweiten Wäsche, und es auf dem Tagesbildschirm abhaken. Das verwendete Öl kannst du an die Routine anheften, und der Verlauf zeigt, wie oft du es benutzt hast. So lässt sich das mit der Reaktion deines Haars vergleichen. Der INCI-Scanner kennzeichnet ein Öl als Emollient, ob es dir guttut, entscheidet aber die Reaktion deines Haars.
